Zum Jahr der Bibel veröffentlichen wir eine Artikelreihe unter dem
Leitfaden: "…nützlich zur Lehre…" (2. Tim. 3, 16). Dabei nehmen wir
unser Glaubensbekenntnis unter die Lupe. Teil 1: Ich glaube an Gott, den
Vater
Viele meinen, der Glaube
an Gott verbinde alle Religionen. Aber das ist nicht richtig, wenn man
einen persönlichen Gott meint, wie wir Christen. Wer ist nun dieser
Gott, den wir im ersten Teil unseres Glaubensbekenntnisses bekennen? Es
gibt Religionen, die einen unpersönlichen Gott haben; z.B. der
ursprüngliche Buddhismus. Für ihn ist Gott keine Person, sondern eher
ein Prinzip, ähnlich wie ein Naturgesetz. Zu einem solchen Gott kann man
nicht beten. Und einen solchen "Gott" meinen wir nicht. Martin Luther
hat in sehr missverständlicher Weise einmal gesagt: "Woran du dein Herz
hängst, das ist dein Gott." Eigentlich hätte er besser sagen müssen,
"..das ist dein Abgott." Aber so missverständlich reden wir nun eben
manchmal. Luther meinte damit z.B. Geld oder Wertsachen, oder vielleicht
auch eigenmächtige Ziele, die gar nichts Göttliches an sich haben, die
aber auf unser Herz eine Macht ausüben. Unser Gott ist ein persönlicher
Gott: Zu ihm kann man beten. Mit ihm kann man reden, und er hört. Er
reagiert auf unser Gebet. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir Gott als
den Schöpfer. D.h. er hat die ganze Schöpfung aus dem Nichts erschaffen.
Er hat nicht nur die Materie geschaffen, sondern alles, was überhaupt
existiert, hat er gestaltet. In der Bibel wird hier manchmal das Bild
vom Ton und vom Töpfer verwendet, so z.B. in Jes. 45,9: "Weh dem, der
mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht
denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du? Und sein Werk: Du hast
keine Hände!" Es ist nicht möglich, hier in Einzelheiten zu gehen. Es
sei nur angedeutet, dass hier die Frage Schöpfung und/oder Evolution
berührt ist. Darüber gibt es viele Bücher. Mit dieser Frage hat man sich
nicht erst in der Neuzeit beschäftigt. Schon im Mittelalter machte man
sich sehr tiefsinnige Gedanken, ja sogar bei den Kirchenvätern werden -
in den entsprechenden zeitgemäßen Ausdrücken - diese Fragen erörtert.
Gott wirkt auch weiter als der Erhalter der Schöpfung. Ohne Gott hätte
diese Schöpfung gar keinen Bestand. Sie würde in das Nichts
zurückfallen. Die Schöpfung existiert nur, weil seine Hand sie erhält.
Das könnte man auch als seine Allmacht bezeichnen. Wenn wir sagen, dass
wir an Gott, den Vater, glauben, dann meinen wir eigentlich nicht Gott
als Schöpfer. Sondern das deutet ein Verhältnis an, und zwar zuerst ein
Verhältnis innerhalb der Trinität. Gott als Vater ist eine Person der
Dreieinigkeit, so wie der Sohn auch eine Person der Dreieinigkeit ist
und ebenso auch der Heilige Geist. Vielen Menschen ist es heute schwer
zugänglich, dass wir von den drei Personen Gottes sprechen. Im alten
Griechentum hatte "persona" (griech. prosopon) die Bedeutung von
"Antlitz". Außerdem verwandte man es in der Welt des Theaters oder der
Schauspielkunst. Die Schauspieler hatten Masken auf, die am Mund einen
großen Schalltrichter hatten, damit man die gesprochenen Worte im
Theater besser verstehen konnte. Diese Maske nannte man Prosopon. Der
Schauspieler selbst konnte natürlich verschiedene Masken tragen, wie er
auch verschiedene Rollen spielen konnte. Es ist sinnvoll, wenn man diese
Bedeutungen im Hintergrund hat, wenn man von den drei Personen Gottes
spricht. Keineswegs ist die Trinität eine Lehre von drei Göttern. Im
Gegenteil! Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments ist das Bekenntnis zu
dem einen Gott für die Christen wesentlich. Dennoch hat sich Gott uns in
drei verschiedenen Personen gezeigt. Das führt zu einem Unterschied
zwischen dem Alten und Neuen Testament, was die Schöpfungslehre
betrifft. So bezeugt beispielsweise Johannes 1, 1ff, dass Jesus als das
"Wort Gottes" an der Schöpfung beteiligt ist. Man spricht deshalb von
seiner "Schöpfungsmittlerschaft" (vgl. 1, Kor. 8,6; Kol. 1,16f). Wir
müssen das nicht alles verstehen. Wir sollen wissen, dass Gott größer
ist als wir und größer als die Fähigkeiten unseres Verstandes. Der
Weggefährte Luthers, Melanchthon, hat das in seinem berühmt gewordenen
Satz zusammengefasst: "Das Geheimnis der Gottheit ist eher anzubeten als
ihm nachzuspüren."
Pfarrer Dr. Karl Knauß