…nützlich zur Lehre… „… und taufet sie…“ Gedanken über die Taufe

Irgendwie tauchte ein neues Fragen nach der Taufe auf. Wenn wir unsere Nachfolge Jesu ernst nehmen, was ist dann mit der Taufe, die meist ohne unseren Willen an uns vollzogen wurde? Welchen Sinn hat sie? Ist sie „nur“ ein Zeichen für die anderen, oder geschieht in ihr etwas zwischen Gott und Mensch; und wenn ja, was?

Die Frage beschäftigte uns dann einige Wochen in der Bibelstunde und etwa gleichzeitig in einem Seminar: Quer durch die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Briefe sprachen wir über die wichtigsten Stellen zur Taufe.

Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments rettet uns allein der Glaube, während die Taufe dem Glauben untergeordnet ist. Diese Unterordnung kommt auch noch im Missions- und Taufbefehl zum Ausdruck. Hauptsächlich gibt Jesus den Auftrag, in seine Nachfolge zu rufen. Und die Taufe gehört dann als Teilauftrag dazu, wie auch die christliche Unterweisung.

In der Apostelgeschichte wird überall, wo die Apostel missionierten, auch die Taufe vollzogen. Sie gehört zum begleitenden Zeichen, wenn jemand sich Jesus Christus zugewandt hat. Sie gehört zum Jüngersein wie der Ehering ein Zeichen des Verheiratetseins ist; für alle zum Zeugnis.

Die christliche Taufe hat auch eine Vorgeschichte. So hat z.B. Johannes d. Täufer getauft. Auch jüdische Proselyten (d.h. Heiden, die zum Glauben an Gott gefunden haben) wurden getauft. Die Taufe, wie sie die christliche Gemeinde nach Pfingsten übte, hat manche äußere Ähnlichkeiten. Z.B. wird auch mit Wasser getauft. Aber sie hat eine andere Bedeutung. Die Taufe wird auf den Namen Jesu vollzogen. Das bedeutet, der Getaufte wird zum Eigentum Jesu. Das wird auch an Römer 6, 3-11 (ähnlich in Kolosser 2,12) deutlich. Dort wird beschrieben, dass der Getaufte mit Christus gestorben und auferstanden ist. Was er lebt, lebt er nun für ihn.

Eine interessante Beobachtung ist, dass im Neuen Testament die Taufe mit der Beschneidung verglichen wird (Kol. 2, 11). Auch sie ist ja ein Zeichen der Zugehörigkeit zum alten Bund. Nun hat Paulus im Römerbrief von der Beschneidung gesagt, dass sie nur dann einen Sinn hat, wenn man auch das Gesetz hält. Die Beschneidung ist nur dann vor Gott gültig, wenn man auch äußerlich das vollzieht, was sie bedeutet. Das kann man auf die Taufe übertragen. Dann gilt von der Taufe, dass sie nur dann vor Gott in Kraft ist, wenn der Glaube dazukommt. Denn die Taufe soll ja nichts anderes bezeugen, als den Glauben an Jesus als Herrn. Deshalb hat Paulus den äußeren Vollzug der Taufe nicht so wichtig genommen. Die Taufe soll keinen Anlass zum Streit in der Gemeinde geben. Es sollte nicht das Missverständnis aufkommen, dass Taufe etwa auf den Namen des Paulus geschieht oder als eine persönliche Zuordnung zu ihm (1. Kor. 1, 13-17)

Aus dem biblischen Vergleich mit der Beschneidung entsteht eine Anfrage an die Praxis der Kindertaufe. Sie wurde ja schon in den ersten Generationen der Christen praktiziert, und zwar aus den verschiedensten Gründen. Es gibt sichere Nachweise aus dem Ende des 2. Jahrhunderts. Unsichere Hinweise stammen aus dem Neuen Testament. Wenn es z.B. beim Kerkermeister in Philippi (Apg. 16, 30ff) heißt, dass er sich mit seinem ganzen Hause taufen ließ, dann sind vielleicht auch Kinder dabei gewesen. Man kann das nicht sicher ausschließen, aber auch nicht sicher bejahen. Doch merkwürdig ist auf jeden Fall, dass zum Kerkermeister gesagt wird: Wenn er an Jesus glaubt, dass er dann mit seinem ganzen Haus gerettet wird. Das ist ein Hinweis, dass Taufe auch ein Zeichen für den Herrschaftsbereich Jesu ist, nicht nur das Zeichen, wenn man zum Glauben gekommen ist; so wie das Bundeszeichen des alten Bundes auch zu einer Gottesgemeinde zusammenschließt. Einen ähnlichen Zusammenhang spricht Paulus in 1. Kor. 7,14 an, wonach sogar ein ungläubiger Ehepartner durch den gläubigen Ehepartner geheiligt wird. In Bezug auf die Taufe kann man daraus schließen, dass Taufe nicht nur einen individualistischen Vorgang meint. Wenn gläubige Eltern ihre Kinder taufen lassen, dann tun sie darum recht. Ihre Kinder sollen in den Herrschaftsbereich Jesu auch durch das äußere Zeichen der Taufe hineingestellt werden. Sie sind später dennoch aufgerufen, dass sie selbst glauben und Jesus nachfolgen. Nur dann entsprechen sie der inneren Bedeutung der Taufe. Niemand wird durch den äußeren Vollzug der Taufe gerettet, sondern durch den Glauben.

Am Reformationsfest haben wir zu einem Gottesdienst der Taufvergegenwärtigung eingeladen. Sie ist das Ergebnis des Weges, den wir in dem Seminar über mehrere Wochen miteinander gegangen sind. Leitfaden war die Stelle aus Römer 6, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden sind. Wir ließen uns ferner anregen durch das Wort Martin Luthers, dass das ganze Leben des Christen ein Hineinkriechen in die Taufe sei. Die Taufe, die einst als Kindertaufe vollzogen wurde, sollte vergegenwärtigt werden. Das wurde dann auch durch Untertauchen im Wasser anschaulich und erlebbar, nicht als erneute Taufe, sondern als ein Hineingenommenwerden in das von Jesus gegebene Geschenk der Taufe. (Pfr. Dr. Knauss)
 

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 Stand: 08. Dezember 2004

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